Lautstärke, Tonhöhe und Sprechgeschwindigkeit bestimmen gesprochene Sprache, ähnlich wie Satzbau oder Wortschatz es tun. Viele akustische Komponenten können allerdings in keinem gebräuchlichen Schriftsystem vollständig abgebildet werden, wodurch die ursprüngliche Intention von Sprecher*innen verloren geht.

 

Inwieweit ist Schrift somit überhaupt in der Lage, den situativen Kontext einer Rede oder die Absicht von Sprecher*innen wiederzugeben und welche Aspekte gehen in der Kommunikation mittels geschriebener Sprache zwangsläufig verloren? Muss dieses Defizit von Schriftsprache hingenommen werden oder sind alternative Notationen möglich, die der eigentlichen Rede näherkommen?

 

ES IST SO ist eine künstlerische Arbeit, die sich mit den Grenzen der Übersetzung von gesprochener Sprache in Schriftsprache auseinandersetzt. Ein medienübergreifender Übersetzungsprozess zeigt die Problematik der Verschriftlichung auf, indem Übergänge und Bruchstellen nachgezeichnet werden. Eine Tonaufnahme wird als digitales Spektrogramm visualisiert, wodurch sich alle im Audiofile enthaltenen akustischen Komponenten graphisch darstellen lassen. Anschließend dient diese Abbildung der Stimme in gefräster Form als Matrize, mithilfe derer eine Prägedruckserie entsteht.

Dieser Übersetzungsprozess ermöglicht, Rede über das typische Medium Papier festzuhalten, ohne dabei auf intentions-bildende Komponenten verzichten zu müssen. Fortlaufende Permutationen der Wörter ES IST SO, die den Ausgangspunkt der Übersetzungskette gebildet haben, sind schließlich der visuellen Ausführung als Soundinstallation gegenübergestellt, um aufzuzeigen wie widersprüchlich schon die Vorstellung ist, etwas niederschreiben zu können. Die Ästhetik des als Prägedruck realisierten Spektrogramms ermöglicht, zusätzliche Dimensionen von Sprache aufzuzeigen, die über den Umfang herkömmlicher Schriftsysteme hinausgehen. Dabei verdeutlicht die auditive Rahmung Möglichkeiten der Betonung, Kombination und Emotion des Gesprochenen.

Danksagung:


Konrad Strutz
Philipp Hornung (ARL)
Henriette Leinfellner (Grafik und Druckgrafik) Uli Kühn
Valentin Lichtenberger

ES IST SO (2020)
Helene Eisl
02:43 min